Fortbildung zum Strömungsretter

Die Ausbildung von Strömungsrettern ist ein Konzept, dass die DLRG seit dem Jahr 2004 verfolgt und in dem speziell ausgebildete Rettungsschwimmer primär Personen aus stark strömenden Gewässern retten. Strömungsretter können darüber hinaus aber noch für viele weitere Aufgaben eingesetzt werden, u.a. zur Evakuierung und Hilfeleistung im Hochwassereinsatz, ebenso wie zur Absicherung der eigenen Kräfte.

Die Ausrüstung

Die persönliche Schutzausrüstung (PSA) stellt einen sehr wichtigen Bereich dar, der im Folgenden näher erläutert werden soll.


Aufgeteilt wird dies in die Bereiche der
Grundausstattung
PSA - Strömungsretter
erweiterte PSA

Die eigentliche Grundausstattung ist schon aus dem Bereich des Tauchens bzw. des Wasserrettungsdienstes bekannt und besteht aus
Neoprenanzug (mit Haube)
Neoprenhandschuhen
Neoprenstiefeln

Zu beachten ist, dass im Bereich der Strömungsrettung nur Nass- bzw. Halbtrockenanzüge, allerdings keine Trockentauchanzüge eingesetzt werden. Bei den Handschuhen muss ein Mittelweg zwischen Kälteschutz und Bedienbarkeit z.B. von Karabinern, gefunden werden. Bei den Schuhen sind auf alle Fälle Neoprenstiefel zu empfehlen, da diese im Vergleich zu normalen Füßlingen sowohl eine bessere Sohle, als auch einen besseren Umknick- und Gelenkschutz bieten.

Die PSA - Strömungsretter stellt die wesentliche Ergänzung der Grundausstattung dar, die vom Standpunkt der Ausrüstung gesehen aus dem Wasserretter einen Strömungsretter macht. Diese PSA besteht aus
Wildwasserhelm mit Strömungsschlitzen
Wildwasserweste mit Panikverschluss
Wurfsack

Die erweiterte PSA beinhaltet zusätzliche, sinnvolle Ergänzungen der Ausrüstung wie z.B. Lampe und Signalblitzer, Karabiner bzw. Cowtail, Schwimmbrille oder Erste-Hilfe-Material. Diese Ergänzungen sind teilweise allgemein sinnvoll, können jedoch auch einfache Ergänzungen auf Grund örtlicher Gegebenheiten sein.

spezielle Seiltechnik

Der Bereich Seiltechnik, der unter anderem für den Aufbau von Hoch- und Flachseilbrücken, notwendig ist, stellt das umfassendste Material dar.

Folgende Hilfsmittel kommen hier zur Anwendung: 
50m Statikseil (Kernmantelseil 10-12mm, schwimmfähig in signalfarbe)
60-100m Lastseil Kernmantelseil 11mm, mind. 3 to Bruchlast gem. EN 1891B)
100m Lastseil Kernmantelseil 11mm, mind. 3 to Bruchlast gem. EN 1891B)
50m Steuerseil
30m Steuerseil
Seilsäcke / Seilrucksäcke
Seilbremse
Grielon
Swivel
Tandemrollen (eine für Stahlseil)
Einzelrollen (mit Zulassung zur Personenrettung)
Doppelrollen
Riggingplatte (5-Loch)
Bandschlingen
HMS-Schraubkarabiner Alu (22Kn)
HMS-Schraubkarabiner Stahl (30Kn)

Stufe 1: Ausbildung zum Strömungsretter 1

Voraussetzungen:
abgeschlossene und gültige „Fachausbildung Wasserrettungsdienst“
Voraussetzung körperliche Fitness –COOPER Test-
Selbsterklärung Gesundheitszustand M3-002-06
Bescheinigung der Gliederung 400m Schwimmen in max.8 min.

Weitere Details auf Nachfrage unter angegebener Adresse am Ende des Infoschreibens

Anmerkung: Der Cooper-Test ist ein anerkannter Test zur Überprüfung der allgemeinen Ausdauer. Es handelt sich um einen Lauf von 12 Minuten Dauer, bei dem die in dieser Zeit maximal zurückgelegte Strecke ermittelt wird.
Für Sportläufer ist der Test anspruchsvoll, da die zurückgelegte Strecke zwischen einer reinen Mittel-oder Langstrecke liegt. Der Sportler muss sich sehr gut einschätzen können, um nicht zu früh zu viel Laktat aufzustauen und in den anaeroben Bereich zu kommen, aber auch nicht zu langsam zu laufen. Der Test dient bei erfahrenen Läufern auch zur Schätzung der maximalen Sauerstoffaufnahme. Folgende Strecken sind in 12 min. zu erreichen
Bis 30 Jahre 2400m
30 – 39 Jahre 2250 m
40-49 Jahre 2100 m
50 – 55 Jahre 2000 m
Über 55 Jahre 1850 m


Zweck und Inhalt:
Diese Ausbildung ist als Ergänzung zur Fachausbilder Wasserrettungsdienst gedacht.
Es werden beim Teilnehmer solide Grundlagen und Kenntnisse der allgemeinen Wasserrettung vorausgesetzt. Für die praktischen Übungen in der Strömung muss eine ausreichend körperliche Fitness des Teilnehmers vorhanden sein!
Vermittlung von grundlegenden Kenntnissen und Fertigkeiten zur Selbst- und Fremdrettung in stark strömenden Gewässern und Überschwemmungsgebieten stellen das Ziel dieser Ausbildung dar.

Beispiel eines Ausbildungswochenendes:
Die Gruppengröße des Lehrgangs beträgt ca. 12 Kameradinnen und Kameraden aus meist verschiedenen Landesverbänden. Diese Tatsache zeigt den nach wie vor den Bedarf und den Stellenwert dieser Ausbildung. Der Freitagabend beginnt mit der Einführung in den Bereich der Strömungsrettung und dem erwähnten Coopertest, gefolgt von der Ausrüstungskunde und dem anschließenden Ausgeben der erweiterten persönlichen Schutzausrüstung (PSA), bestehend aus Wildwasserhelm, -weste und Wurfsack. Diese Ausrüstung trägt der Strömungsretter zusätzlich zu einen Neoprenanzug, Handschuhen und festem Schuhwerk.

Am Samstagvormittag folgen die weiteren theoretischen Module, bevor am Nachmittag gilt, das theoretisch Erlernte in die Praxis umzusetzen. So stehen neben entsprechenden Trockenübungen mit dem richtigen Umgang des Wurfsackes, auch das korrekte Anlegen und verwenden der PSA und der Aufbau von Seilzug und Hochseil im Vordergrund. Den Abschluss des Ausbildungstages bildet ein gemeinsames „Schwimmen“ einem strömenden Gewässer, bei dem die Teilnehmer schon einmal das aktive und passive Schwimmen sowie das Kreuzen in der Strömung üben können.

Am Sonntag findet der Abschluss der Ausbildungsveranstaltung statt. Auf einem Abschnitt eines strömenden Gewässers wird das bereits am Samstag Erprobte unter stärkerer Strömung nochmals erweitert und zusätzlich durch das Abseilen aus großen Höhen ins fließende Gewässer und einer Rettungsübung ergänzt.

Stufe 2: Ausbildung zum Strömungsretter 2

Voraussetzungen:
Mitgliedschaft in der DLRG
Mindestalter 18 Jahre
DLRG Strömungsretter 1
DRSA Silber nicht älter als 1 Jahr
Selbsterklärung zum Gesundheitszustand
Gültige Fachausbildung WRD
Wachführer/Wachleiter/Ausbilder WRD oder Unterführer KatS

Weitere Details auf Nachfrage bei der DLRG Westerburg e.V.

Zweck und Inhalt:
Die Ausbildung vertieft zum einen die Kenntnisse und Fertigkeiten der Fremdrettung in stark strömenden Gewässern und Überschwemmungsgebieten mit einsatzspezifischer Erstversorgung von Verunfallten, sowie der Rettung mit technischen Hilfsmitteln und mit verschiedenen Abseiltechniken.
Des Weiteren sind die Teilnehmerinnen und Teilnehmern nach Abschluss befähigt zur Trupp- und Gruppenführung in der Strömungsrettung.

Beispiel eines Ausbildungswochenendes:
Unter Leitung der Strömungsretterausbilder aus dem Kreisverband Hersfeld-Rotenburg nahmen insgesamt 19 Strömungsretterinnen und Strömungsretter, unter ihnen acht aus Bayern, jeweils zwei aus Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen, ein Kamerad aus Rheinland-Pfalz, sowie sechs Kameradinnen und Kameraden aus Hessen erfolgreich an der Ausbildung in Schleching (Chiemgau) teil. Während die Grundtechniken der Selbst- und Fremdrettung für alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine reine Wiederholung bereits im SR1 erlernter Fähigkeiten darstellte, konnten diese im Bereich der einsatzspezifischen Erstversorgung von Verunfallten, sowie im Bereich der Rettung mit technischen Hilfsmitteln und im Bereich der Abseiltechniken ihr Wissen nochmals erweitern und mussten im Rahmen mehrer Einsatzübungen das Erlernte ins Praktische umsetzen.
Während die Einsatztaktik, auf Grund der abgeschlossenen Führungsausbildung als Eingangsvoraussetzung, für Alle eine Wiederholung darstellte, die im Rahmen des Lehrgangs nur noch um Besonderheiten im Bereich der Strömungsrettung und revierspezifische Besonderheiten erweitert wurde, stellten die Grundlagen des Raftings, sowohl als Paddelbesatzung, als auch als Steuermann, für die meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine neue Erfahrung dar. Neben dem Handling des Rafts wurde während des Lehrgangs insbesondere auch Wert auf den Einsatz des Rafts als Rettungsmittel, aber auch Fähre, und die dafür notwendige Steuerung vom Ufer, gelegt. Neben mehrer praktischer Ausbildungen in der Tiroler Ache und dem Durchschwimmen der Entenlochklamm stand auch eine Canyoning-Tour auf dem Ausbildungsplan. Den Abschluss des Lehrgangs stellte eine große Einsatzübung mit mehreren verletzten Personen in der Tiroler Ache dar, die es zu versorgen und zu evakuieren galt.
Die Resonanz und das Feedback der Teilnehmer war sehr gut und die DLRG verfügt nun bundesweit über 19 neue Strömungsretterinnen und Strömungsretter der Stufe 2. Stand: Okt.08
Einige Impressionen des Lehrganges zum Strömungsretter 2

Ausbildung zum Luftretter

Erinnern Sie sich noch an das Elbe-Hochwasser 2002? Dramatische Szenen schickte uns das Fernsehen auf die Wohnzimmercouch. Bei Chips und Salzstangen fesselten uns die Bilder von durch Städte und Dörfer reißende Sturzbäche und Fluten. Ein Bild wird noch lange in Erinnerung bleiben. Einige Menschen sitzen hilflos auf einer hohen Mauer. Sie ist der letzte Rest ihres ehemaligen Wohnhauses. Um sie herum toben die Wassermassen und lassen das Schlimmste befürchten. Wie lange wird die Mauer noch halten. Wird jemand die Menschen aus ihrer ausweglosen Situation retten können? Wie diesen Menschen ging es im Sommer 2002 in Sachsen vielen. Unbeschreibliche Regenfälle haben diese Katastrophe ausgelöst. Die Klimaforscher geben uns wenig Hoffnung. Immer wieder kann es fast überall zu ähnlichen Katastrophen kommen. Dann wird Hilfe erwartet. Daher gibt es bei der DLRG seit 2006 das Konzept der luftgestützten Wasserrettung in Kooperation mit der Bundespolizei!

Voraussetzungen:
Eignungsfeststellung gem. Bundesrichtlinien
schriftliches Bewerbungsverfahren bei den Multiplikatoren für Luftrettung
mind. Strömungsretter Stufe 2
Sanitätslehrgang B


Bericht einer Luftretterfortbildung:
Hilflos treibt eine Person im Main. Schon das geringe Hochwasser lässt die Strömung stark ansteigen. Mitten in der Schifffahrtsrinne treibt der Mann stromabwärts. Er hat kaum eine Chance aus eigener Kraft die starke Strömung zu verlassen. Da naht ein Hubschrauber, er fliegt stromaufwärts dem Hilfesuchenden entgegen. An einem Seil wird ein Mann an einer Winde herabgelassen. Etwa 50 Meter vor dem im Main treibenden Menschen berührt auch er das Wasser. Bis zu den Hüften im Main eintauchend zieht ihn der Hubschrauber dem Hilfesuchenden entgegen. Sie nennen es "surfen". Der Retter hält den Mann fest, versucht ihm einen Gurt um den Körper zu streifen und ihn anzuschnallen. Es gelingt, sie werden gemeinsam nach oben in den Hubschrauber gezogen. Das waren wirklich dramatische Minuten.
So wie hier geschildert kann es jederzeit irgendwo in Deutschland geschehen. Bei Katastrophen ist schnelle und fachmännische Hilfe gefragt. Die Szene war nur eine Übung, doch sie zeigt die Professionalität der Bundespolizei und der DLRG beim Katastropheneinsatz. Entwickelt wurde das Verfahren nach den Erfahrungen der Hochwasser der letzten Jahre von der Bayerischen Wasserwacht des Roten Kreuzes, der Bundeswehr und der Bundespolizei. Seit drei Jahren ist das Konzept "luftgestützte Wasserrettung" im Einsatz. Es dient nicht der Rettung verunglückter Wassersportler. Um diese müssen sich die örtlichen Organisationen kümmern. Die "luftgestützte Wasserrettung" ist nur für den Katastrophenfall zuständig. An mehreren Orten in Deutschland werden Mitglieder der DRK-Wasserwacht und der DLRG dafür ausgebildet. Nach Abschluss der Ausbildung dürfen sie sich ARS (Air Rescue Specialists) nennen. Auch nach der Prüfung müssen sie ständig ihre Einsatzbereitschaft nachweisen. In der Regel wohnen sie im näheren Umkreis der Flugplätze, meist höchstens 1/2 Stunde von der Fliegerstaffel entfernt.
Man rechnet wegen des Klimawandels mit zunehmenden Hochwasserkatastrophen und bereitet die Einsatzkräfte dafür vor. Die Übung leitete Paul Kröffges von der Bundespolizeidirektion Fuldatal. Hier ist die Bundespolizei-Fliegerstaffel stationiert. Der erfahrene Hubschrauberpilot hat selbst ungezählte Noteinsätze hinter sich. Er erzählte von den Einsätzen beim Elbehochwasser und den daraus resultierenden Notwendigkeiten. 50 Menschen haben die Flieger aus Fuldatal damals in einer Nacht aus dem Fluten herausgeholt. Das DRK und die DLRG haben so genannte Luftrettungsgruppen eingerichtet. Hier übte die Luftrettungsgruppe Mitte. Koordiniert wird das Ganze von Felix Michnacs beim DRK. Er führt einen "Pool" aus Freiwilligen der Wasserwacht, der DLRG und der Berufsfeuerwehren zusammen und regelt die Ausbildung. Bei den kühlen Temperaturen sind die Retter natürlich durch eine entsprechende Ausrüstung geschützt. 1200 Euro müssen die Rettungsorganisationen allein dafür ausgeben. Insgesamt 50 "Lifts" wurden am Main durchgeführt. Es ging "gegen den Strom", "mit dem Strom" und dann gab es noch das "Notmanöver". Dabei werden Retter und Rettling nicht an Bord des Hubschraubers gezogen. Der Helikopter schleppt die beiden mit der Seilwinde ans Ufer. Dies ist notwendig wenn der Gurt aus irgendeinem Grund nicht angelegt werden kann. Der Retter umfasst den Rettling fest mit Armen und Beinen und hält ihn so fest. Für den Piloten eine Höchstleistung!
Pilot ist Jochen Sturm. Er hat die schwierige Aufgabe, nur nach Anweisungen des Mannes an der Winde, Helmut Brandt, den Hubschrauber auf Position zu halten oder zu bewegen. Der Pilot selbst kann nicht direkt nach unten sehen. Als dritter Mann ist heute als 2. Windenmann Detlef Herbst dabei. Geflogen wird mit einem EC 155 Eurocopter Hubschrauber. Auch an den Kosten für Sprit müssen sich die Rettungsorganisationen beteiligen. Und die Hubschrauber sind recht durstig.